Anna Chrisanthi Leventi, Sonne, 2026; Öl auf Leinwand, Teelichter

AfterlightAnna Chrisanthi Leventi
22.5.- 7.6.2026

In Afterlight befinden wir uns in einer Installation von Anna Chrisanthi Leventi, die an eine Grab- oder Anbetungsstätte erinnert. Ausgehend von dem Text Die dunkle Nacht der Seele aus dem 16. Jahrhundert wird hier das essentiell menschliche Bedürfnis nach Orten und Erfahrungen (religiöser) Transzendenz untersucht. Dabei können wir wiederkehrende Symbole beobachten. Stiere aus Höhlenmalereien werden in Afterlight zum Logo auf Redbull Dosen.

Auch die Malerei typisch sumerischer menschlicher Darstellungen deutet auf so ein archäologisches Fundstück hin. Durch die wiederkehrende Neubesetzung dieser Symbole existieren sie wie im Purgatorium; wir können sie nicht in der Vergangenheit ruhen lassen, sondern beleben sie immer wieder neu und laden sie mit unseren eigenen Ideen auf.
Ein zentraler Gedanke der Ausstellung ist die physikalische Eigenschaft des Lichts. Wir können es immer nur aus der Vergangenheit wahrnehmen, wir sehen immer nur die verzögerte Reflektion des Lichts von ihrer Oberfläche. Ähnlich können wir Ereignisse unseres Lebens auch immer nur aus der Vergangenheit emotional reflektieren. Besonders transzendentale Erfahrungen übertreffen in ihrer Strahlenkraft oft unsere Wahrnehmung und benötigen besondere Hingabe, um sie ganz aufzunehmen. Das Paradoxe dabei ist die Gleichzeitigkeit dieser erleuchtenden Qualität des Lichts mit ihrer zerstörerischen Kraft. Zu wenig und wir können nichts sehen – zu viel und wir erblinden. Noch können wir sehen, aber wir wissen, dass die Sonne explodieren wird.


In dunkler Nacht,
von Liebesglut entbrannt - o seliges Glück! -
ging ich hinaus ungesehen,
da nun mein haus zur Ruhe kam.

In jener seligen Nacht,
heimlich, da niemand mich sah,
noch ich etwas erblickte,
ohne anderes Licht und Führung
als das, das in meinem Herzen brannte.

Dieses führte mich
sicherer als das Licht des Mittags
dorthin, wo jener mich erwartete,
den ich wohl kannte,
an einem Ort, wo niemand erschien
.
Als der Morgenwind wehte
durch die Zinnen meines Haares,
traf er mich mit sanfter Hand,
und alle meine Sinne
versanken und verloren sich.

Ich blieb und vergaß mich,
das Antlitz an den Geliebten gelehnt;
alles hörte auf, und ich ließ mich,
meine Sorge vergessend,
unter den Lilien verloren

Auszüge aus „Noche oscura“
von dem heiligen Johannes vom Kreuz

           
Anna Chrisanthi Leventi, Entschlafender, 2026; Öl auf Leinwand



Anna Chrisanthi Leventi, Entschlafender, 2026; Öl auf Leinwand; Installationsansicht

Anna Chrisanthi Leventi, Daughter Son, 2026; Öl auf Leinwand

Anna Chrisanthi Leventi, Afterlight, 2026; Installationsdetail

Anna Chrisanthi Leventi, Afterlight, 2026; Installationsdetail